Archiv des Autors: Ingrid Rathner

News bei Baukunst consult GmbH

BAUKUNST consult GmbH trennt sich von DI Clemens Standl als 3. Geschäftsführer und verlegt mit August 2016 seinen Standort Richtung Innenstadt in die Linengasse 2A im 6. Wiener Gemeindebezirk.

Goldmedaille für die Fürstenzimmer

Die im März 2016 abgeschlossene neue museale Präsentation sowie das Konzept der Restaurierung der Fürstenzimmer der Festung Hohensalzburg werden am 6. April 2016 im Rahmen des Salone dell’Arte del Restauro e della Conservazione dei Beni Culturali, der wichtigsten Messe im Bereich der Denkmalpflege, in Ferrara/Italien mit der Medaglia d´oro des Premio Internazionale di Restauro Architettonico DOMUS ausgezeichnet.

Preis wird seit 2010 an internationale Projekte vergeben

Der Premio Internazionale di Restauro Architettonico DOMUS wird 2016 bereits zum fünften Mal vergeben. Der Preis wird an hervorragende Projekte aus dem Bereich der wissenschaftlichen Restaurierung verknüpft mit dem Bauen am Bestand vergeben. Unter den bisherigen Preisträgern fanden sich Projekte aus ganz Europa, Indien, Südamerika und Japan, unter den Preisträgern bekannte Namen wie der des japanische Pritzker-Preisträgers Tadao Ando oder des bekannten britischen Architekturbüro Hopkins Architects.

Sieger wurden aus 84 weltweit eingereichten Projekten ausgewählt

2016 wurden 84 Projekte aus der ganzen Welt eingereicht. Neben Teilnehmern aus fast allen europäischen Ländern fanden sich auch Projekte aus Chile, Brasilien und Japan. Anhand der ausgewählten Siegerprojekte versuchte die internationale Jury, unter Vorsitz von Riccardo Dalla Negra, globale Entwicklungen im Bereich der Restaurierung historischer Bausubstanz abzubilden. Gemeinsam ist den prämierten Projekten ein überdurchschnittliches Niveau, sie unterscheiden sich jedoch in der theoretischen und praktischen Herangehensweise an die jeweilige Problemstellung.

Medaglia d`oro wird ex aequo an drei Projekte vergeben

Da sich die Qualität der ausgewählten Siegerprojekte als sehr homogen präsentierte, entschied die Jury, die Auszeichnung ex aequo an mehrere Projekte zu vergeben: Drei Projekte wurden für die Medaglia d`oro ausgewählt, vier für die Madaglia d`argento:

Medaglie d’oro ex-aequo

  • Restaurierung der Fürstenzimmer der Festung Hohensalzburg (Salzburg, Österreich): Baukunst consult GmbH
  • Restaurierung der Kirche: Confraternita della Misericordia (Torino, Italien): Studio Dedalo
  • Museum der Sanatorien (Sondrio, Italien): Davide Del Curto, Giacomo Menini

Medaglie d’argento ex-aequo:

  • Teatro Thalia (Lissabon, Portugal): Lopes + Byrne
  • Yun House Boutique Eco-resort (Guilin, China): Ares Partners
  • Instituto de Arquitetos do Brasil (São Paulo, Brasilen): Silvio Oksman Arquitetos Associados
  • Restaurierung des Castello dei Doria (Imperia; Italien): LDA+SR Luca Dolmetta Silvia Rizzo architetti

Fürstenzimmer der Festung Hohensalzburg

Die Festung Hohensalzburg ist Europas größte Burganlage und zählt zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten Österreichs. Jährlich besichtigen 1,1 Millionen BesucherInnen die Anlage. Der Initialbau von Hohensalzburg geht auf das 11. Jahrhundert zurück, die Fürstenzimmer wurden um 1500 geschaffen. Die reich und kostbar ausgestatteten Prunkräume sind ein einzigartiges Beispiel spätgotischer profaner Innerarchitektur. Es ist kein vergleichbares Objekt aus dieser Zeit erhalten.

Geschichte und Bedeutung der Fürstenzimmer soll neu vermittelt werden

Die Fürstenzimmer der Festung Hohensalzburg wurden seit den 1950er Jahren nicht mehr restauriert. Die museale Präsentation und sicherheitstechnische Ausstattung entsprach schon lange nicht mehr den gegenwärtigen Anforderungen. Neben der Verbesserung dieser Aspekte war es für die Salzburger Burgen und Schlösser Betriebsführung erklärtes Ziel, bei der Neugestaltung die Geschichte und Bedeutung der Fürstenzimmer auf zeitgemäße Art und Weise zu vermitteln. Die Kosten für die Arbeiten wurden aus Eigenmittel der Salzburger Burgen und Schlösser getragen.

Fürstenzimmer punkten durch wissenschaftliche Herangehensweise

In der Bewertung der Jury wird vor allem die hohe Qualität der wissenschaftlichen Aufarbeitung und dem darauf aufbauenden Restaurierkonzept hervorgehoben. Ziel der aufwendigen Untersuchung war es, einen Blick zurück in die Geschichte zu werfen und darauf ein Konzept für den zukünftigen Umgang mit der hochwertigen Ausstattung zu entwickeln. Das Konzept für die Restaurierung der Räume sieht vor, das Objekt nicht im „neuen Glanz“ erstrahlen zu lassen, sondern die unterschiedlichen Überarbeitungsphasen des Objektes zu respektieren, Fehlstellen zu schließen und den Gesamteindruck zu beruhigen.

Architektonische Qualität der musealen Einbauten wird hervorgehoben

Die Festung wird jährlich von mehr als 1 Million Menschen besichtigt. Daher ist es notwendig, die Besucher, zum maximalen Schutz der Ausstattung, auf Besucherstegen durch die Fürstenzimmer zu führen. Die Jury lobt, dass es durch den neuen Steg gelungen ist, die Aufmerksamkeit der Besucher auf die Ausstattung zu lenken, die Gestaltung des neuen Steges ordnet sich der historischen Umgebung unter. Sämtliche notwendige technischen Einbauten konnten in den Steg integriert werden ohne in den Bestand einzugreifen.  Sämtliche Einbauten sind zu 100% reversibel.

Baukunst consult GmbH

Die Baukunst consult GmbH erbringt Dienstleistungen für Museen, kirchliche Institutionen, private Auftraggeber, Planer und Architekten. Die Baukunst consult GmbH arbeitet an der Schnittstelle zwischen Restaurierung und Architektur. Entsprechend setzt sich das Team aus Kunsthistorikern, Restauratoren und Architekten zusammen. Das Leistungsspektrum der Baukunst consult GmbH reicht von der Erstellung von bauhistorischen Gutachten, der restauratorischen Bestandsuntersuchung und Fachplanung hin zu Projektmanagement, der Erarbeitung von Musealen Konzepten und Ausstattungen und dem Bauen mit dem Bestand.

Preisverleihung

Die Preisverleihung findet während des „Salone dell’Arte, del Restauro e della Conservazione dei Beni Culturali“ in Ferrara statt. Die Preise werden im Rahmen einer festlichen Soirée am 6. April im Palazzo Tassoni Estense verliehen. Die Preisträger präsentieren ihre Projekte am 7. April am „Salone dell’Arte del Restauro“ im Rahmen eines Kongresses.

Salone dell’Arte, del Restauro e della Conservazione dei Beni Culturali

Diese Messe findet jährlich in Ferrara statt (6.-8. April 2016). Mit seinen 250 Ausstellern ist der „Salone dell’Arte, del Restauro e della Conservazione dei Beni Culturali“ die traditionsreichste und größte Messe in diesem Bereich in Europa. Während der Messe werden internationale Projekte und Restaurierungstechniken einem breiten Publikum nähergebracht.

Pressetexte und Pressefotos:

www.baukunst.co.at

Links:

Premio Restauro:
http://www.premiorestauro.it/it/home

Projekt Fürstenzimmer: http://www.premiorestauro.it/documents/69803/246358/Tavole+Baukunst.pdf/e020edf9-edf4-4028-81fc-4118a257554f

Festung Hohensalzburg:
http://www.salzburg-burgen.at/de/hohensalzburg/

Baukunst consult GmbH:
www.baukunst.co.at

Salone dell’Arte, del Restauro e della Conservazione dei Beni Culturali:
www.salonedelrestauro.com

Rückfragehinweis:
Mag. Ingrid Rathner
Tel: 0043 1 595 27 40
rathner@baukunst.co.at

Fotocredit: Lt. Bildtext / Baukunst consult GmbH – Nutzungsrechte

Rückfragehinweis:
Mag. Ingrid Rathner
Tel: 0043 1 595 27 41
rathner@baukunst.co.at

SAH

Unsere Baustelle im Welterbe Altstadt von Salzburg schreitet voran: Diese Woche wurde vor der spektakulären Kulisse der Salzburger Altstadt der Dachstuhl aufgerichtet und die barocke Schaufassade des Gebäudes freigelegt. Dabei kam so manch historisch interessantes Baudetail zum Vorschein welches neue interessante Fragestellungen zur Baugeschichte aufwirft.

Festung Hohensalzburg – Restaurierung Fürstenzimmer

Mag. Ingrid Rathner / Dipl.-Ing. Clemens Standl

Einleitung, Leistungsspektrum:

Die Baukunst consult GmbH wurde im August 2013 vom Land Salzburg, Salzburger Burgen und Schlösser Betriebsführung, mit der Generalplanung der Restaurierung der Fürstenzimmer des Hohen Stockes und der Räumlichkeiten des Rainer Regimentsmuseums beauftragt. Die Baukunst consult GmbH hat im Rahmen des Projektes folgende Leistungen erbracht: Projektmanagement, denkmalpflegerische Projektsteuerung, Historische Objektforschung, Restauratorische Befunduntersuchung, Erstellung des Restaurierungskonzeptes, Erstellung des Vermittlungskonzeptes, Ausstellungsgestaltung, Ausschreibung und Vergabe, Örtliche Bauaufsicht.

 Zur Geschichte der Fürstenzimmer

Der Initialbau von Hohensalzburg geht auf das späte 11. Jahrhundert zurück. Die Festung wurde in den folgenden Jahrhunderten sukzessive zu einer mächtigen Wehranlage. Der ab 1077 errichtete Wohnturm bildet den Kern des  Hohen Stocks. Leonhard von Keutschach (reg. 1495–1519) baute die Festung zur repräsentativen Zwecken aus. Er ließ den Hohen Stock im zweiten und dritten Obergeschoss erweitern. Im Laufe seiner Regentschaft wurde die Festung ein vornehmer spätgotischer Regierungssitz, wie die prunkvollen Fürstenzimmer auch heute belegen. Die Fürstenzimmer entstanden zu Beginn des 16. Jahrhunderts unter Fürsterzbischof Leonhard von Keutschach. Die Räume, vor allem die „Goldene Stube“, wurden aufwendig und kostbar in Material und Technik ausgestattet. Hier vereint sich in einzigartiger Weise der Typus des Stuben-Appartements mit Elementen sakraler spätgotischer Ausstattungen. An den heute holzsichtigen Wänden befanden sich einst wertvolle Goldledertapeten, die hellen Abdrücke an der blauen Wandfläche geben die originale Hängung von Ornamenten und Knöpfen wieder.

Mitte 19. Jahrhunderts, in der Zeit des Historismus, erwachte erneut das Interesse an den Fürstenzimmern. Wie Darstellungen der Goldenen Stube von 1845 zeigen, waren damals bereits Ausstattungselemente wie Wandvorlagen, die Goldledertapeten und Skulpturen verloren. 1850/51 fand unter der Leitung des Malers Georg Pezolt eine grundlegende Restaurierung der Räume statt. Fehlende Teile wurden nach den Vorstellungen Pezolts ergänzt, schadhafte Elemente ersetzt, die Wandflächen und Objektteile in großen Bereichen überfasst. Anstelle der Ledertapeten erhielten die Wände Papiertapeten.

Um die Fürstenzimmer vor Kriegsschäden zu schützen wurde die Ausstattung1942 abgebaut und sicher gelagert. Mit dem Wiedereinbau durch den Bildhauer Jakob Adlhart erfolgte zeitgleich eine Restaurierung der Räume. Vorrangiges Ziel der Maßnahmen war die Entfernung der Arbeiten von Pezolt und die Rückführung in den scheinbar mittelalterlichen Zustand. Da man mit den durchgeführten Maßnahmen von Adlhart nicht zufrieden war, wurde die Goldene Stube in den 1950ger Jahren von Josef Watzinger einer „Nachbehandlung“ unterzogen. Die Sichtfassung an den Wänden geht auf Josef Watzinger zurück. Die Hängung der Ornamente auf Jakob Adlhart.

Ausgangssituation

Die Fürstenzimmer der Festung Hohensalzburg werden im Jahr von rund 1. Million Besucher besichtigt. Bis zum rezenten Umbau gab es für den Bereich der Fürstenzimmer und das Rainer-Regimentsmuseums weder ein schlüssiges, auf das internationale Publikum abgestimmtes Vermittlungskonzept, noch ein auf die konservatorischen Anforderungen abgestimmtes Klima- Licht- oder Brandschutzkonzept.

In den Fürstenzimmern fanden die letzten konservatorischen wie restauratorischen Maßnahmen Mitte des 20. Jahrhunderts statt. Zudem waren die Räume bis in die 80iger Jahre des 20. Jahrhunderts ohne jegliche Absperrung oder Objektsicherung frei zugänglich. Das brachte erheblichen Schäden an der Ausstattung mit sich. Durch den unkontrollierten Sonnenlichteintrag kam es vor allem im Bereich der Bibliotheksvertäfelung zu erheblich photochemischen Schäden an der originalen Farbfassung. Zudem erwiesen sich die bei den letzten Restaurierungen durchgeführten Maßnahmen als problematisch. Insgesamt sind sämtliche Objektteile stark verschmutzt und eine große Anzahl von Elementen durch spätere Überarbeitungen verunklärt.

Zur Methode der kunst- und restaurierwissenschaftlichen
Forschung und Untersuchung

Kunsthistorische Forschung
Am Beginn der Arbeiten standen umfangreiche Forschungen zur Aufarbeitung und Klärung der Restaurier- und Veränderungsgeschichte der wandgebundenen Ausstattung. Mittels kunst- und kulturhistorischer Auswertung sämtlicher Quellen, konnte eine kritische Analyse der ästhetischen und der historischen Dimension des Objektes erfolgen. Dem folgten eine befundorientierte Interpretation und eine kunsthistorische Bestandsanalyse. Dabei wurde jedem einzelnen Ausstattungselemente die, für dieses Element relevante, Bearbeitungs- und Veränderungsgeschichte zugewiesen und in Beziehung zueinander gesetzt. So konnten teilweise erhebliche Veränderungen in Bezug auf Überarbeitungen und Positionierung im Raum diagnostiziert werden. Die Forschungsergebnisse und die sich daraus ergebenden Fragestellungen ermöglichten zielgerichtete und fundierte konservierungswissenschaftliche Befunduntersuchungen.

Restaurierwissenschaftliche Untersuchung
Auf die Forschungsergebnisse der wissenschaftlichen Auswertung der komplexen Restauriergeschichte aufbauend, erfolgten die restaurier- und naturwissenschaftlichen Untersuchungen. Dazu gehören neben der Bestands- und Schadenserfassung sowohl makroskopische wie auch mikroskopische Schichten- und Pigmentanalysen der Fassungen. Diese Analysen unterstützen unter anderem die Identifizierung der verschiedene Zeit- und Überarbeitungsphasen und geben Auskunft über die materialtechnischen Zusammenhänge. Ergänzend wurden dendrochronologische, bauphysikalische und photochemische Untersuchungen durchgeführt. Dabei galt es vor allem eine eventuelle Gefährdung der Substanz durch negative Klimaeinflüsse oder schädlichen Sonnenlichteintrag festzustellen. Ziel der Untersuchung war ein umfassendes Konservierungs- und Restaurierungskonzept.

Kartierung
Um die wandgebundene Ausstattung der Fürstenzimmer in ihrer Gesamtheit in Materialität und Schadensbild zu erfassen, sind detaillierten Bestand- und Schadenskartierungen notwendig. Durch die planliche Aufnahme des Bestandes wird die Vielfalt an Oberflächengestaltungen und Ausführungstechniken ersichtlich. Die Schadenskartierungen stellen die unterschiedlichsten Schäden grafisch dar und ermöglichen Schadensbilder gesondert und in flächiger Zusammenschau zu erkennen. So können mögliche Häufungen von Schäden lokalisiert werden und eventuellen Schadensursachen kann konkret nachgegangen werden. Auf Grundlage des Restaurierungskonzeptes werden Maßnahmenkartierungen erstellt. An Hand der Maßnahmenkartierungen werden den Schäden entsprechende Maßnahmen zugewiesen. Mittels Kartierungen sind die durchgeführten konservatorischen und restauratorischen Arbeiten einzelner Bereiche,  in Umfang und Ausführung nachvollziehbar, zu erfassen.

Restaurierungskonzept
Die wandgebunden Ausstattung der Fürstenzimmer war vor allem auf Grund der zwei großen Restaurierungsphasen teilweise erheblichen Veränderungen unterworfen und befindet sich heute, vor allem die Fassungen, in einem Mischzustand. Da jedoch die Lesbarkeit und Authentizität der Räume in ihrer potentiellen Einheit erhalten blieben, wurde auf mögliche rückführende Maßnahmen verzichtet. Das auf uns gekommene Erscheinungsbild wird als historisch gewachsener Zustand respektiert. Die farblichen Veränderungen an den Wandflächen, die auf die wechselnde Positionierung von Knöpfen und Ornamenten zurückzuführen sind, werden als historisches Dokument belassen. Auf Grund der raschen, ungenauen und materialtechnisch problematischen Ausführung der letzten umfassenden Restaurierung müssen vor allem konservierende und die Qualität der letzten Arbeiten verbessernde Maßnahmen getroffen werden. Alle Fehlstellen an Farbflächen und Metallauflagen werden mittels, für den Betrachter aus der Entfernung nicht sichtbaren, klar zu identifizierenden Retuschen geschlossen.

Restaurierung
Auf Grundlage des Restaurierungskonzeptes wurden eine Musterachse und eine Arbeitsprobe ausgeführt. Neben der Konsolidierung und Oberflächenreinigung von Träger und Fassung war eine optische „Beruhigung“ und „Vereinheitlichung“ der Gesamtwirkung Ziel der Maßnahmen. Störende Beeinträchtigungen, wie etwa Übermalungen und Überbronzierungen wurden abgenommen. Das diffuse Erscheinungsbild der gefassten Oberflächen wurde mittels gezielter Retusche an Farbfassungen und Vergoldungen beruhigt und geschlossen. Als problematisch erwiesen sich die sehr schwach gebundenen, gräulich blauen Wandflächen. Um einen durch die Festigung sichtbaren Farbumschlag zu vermeiden, wurden eingehende Testreihen zur Erprobung geeigneter Bindemittel durchgeführt. Zudem wurde der stark fleckige Zustand der Wandfassung als störend empfunden. Farbveränderungen die auf Schäden wie Abrieb oder Feuchtigkeit zurückzuführen sind wurden mittels Retusche angeglichen, die farblichen Veränderungen, die auf die entstehungszeitliche Hängung von Knöpfen und Ornamenten verweisen, belassen.

Museale Vermittlung und Präsentation

Die Fürstenzimmer der Festung Hohensalzburg werden pro Jahr von ca. 1. Million Besuchern besichtigt. Bis dato existierte kein museales Vermittlungskonzept in den Fürstenzimmern. Im Zuge der abgeschlossenen Neugestaltung der Räumlichkeiten wurde daher auch die museale Vermittlung in den Fürstenzimmer neu organisiert.

Im Mittelpunkt der Vermittlung steht die originale bauzeitliche Ausstattung. Als materieller Träger der Geschichte sind die Fürstenzimmer der zentrale Punkt einer Reise in die Vergangenheit. Die Reise beginnt mit einem neuen Vorbereitungsraum. Hier wird der Besucher mittels eines mechanischen Theaters im Zeitkontext des ausgehenden Mittelalters und der beginnenden Neuzeit verortet. In den Fürstenzimmern selbst hat der Besucher anhand von mehreren Medienstationen die Möglichkeit sich vertieft über die Geschichte der Räume zu informieren.  Die Einzigartigkeit, Attraktivität und Aura des Objekts wird zum Motor, um tiefer in historische Vorgänge und aktuelle Erkenntnisse einzudringen, Hintergrundinformationen lassen sich gewinnen, die zur Auseinandersetzung auffordern.

Zum Schutz der mittelalterlichen Fußböden wurde ein Besuchersteg konzipiert. Das Randprofil des Steges nimmt sämtliche notwendigen technischen Einbauten vom Licht, der Vermittlung bis hin zur Sicherheits- und Fluchtwegbeleuchtung auf, ohne hier in die historische Substanz eingreifen zu müssen.

Lichtkonzept:
Bis dato existierte keine geplante Beleuchtung der Fürstenzimmer. Die gewachsenen Beleuchtungsstrukturen folgten keinem Konzept und erhellten vor allem unwesentliche Ausstattungselemente. Die sich vor allem im oberen Raumdrittel befindlichen hochwertigen spätmittelalterlichen Schnitzwerke und Malereien waren für den Besucher so gut wie nicht sichtbar. Hinzu kam, dass die in den 1960er Jahren eingebauten Fenster über keinen Sonnenschutz verfügten und der Besucher so durch das eintretende Tageslicht stark geblendet wurde. Studien im  Zuge der Erstellung des neuen Lichtkonzeptes ergaben, dass die Aufenthaltsdauer auf Grund der wenig attraktiven Beleuchtung sehr kurz war.

Das neue gemeinsam mit podpod Design entwickelte Lichtkonzept sieht vor, die hochwertigen Ausstattungselemente des oberen Raumdrittels, sowie die tektonischen Elemente wie Lisenen, Gesimse mittels der Lichtführung hervorzuheben. Die untere holzsichtige Wandzone wird mäßig beleuchtet. Dunkelstes Element der Räume ist der Besuchersteg. Dadurch soll die Aufmerksamkeit des Betrachters weg vom neu eingebauten Steg, hin zu den hochwertgien Ausstattungselementen gelenkt werden. Mit Installation der neuen Lichtinstallation hat sich das Raumerlebnis für die Besucher grundlegend verändert. Der die Räume betretende Besucher begegnet der einzigartigen Ausstattung mit der entsprechenden Wertschätzung. Dank der gelenkten Beleuchtung können die hochwertigen Ausstattungselemente in Ihrer Qualität und Feinteiligkeit wahrgenommen werden.

Begleitende konservatorische Maßnahmen:

Um zukünftig Schäden an der historischen Ausstattung zu minimieren und die Restaurierzyklen zu verlängern wurden zahlreiche begleitende Maßnahmen gesetzt. So wurden etwa das neue Beleuchtungssystem und der Tageslichteintrag auf die Materialität der historischen Ausstattung abgestimmt. Die Reduktion der Besucherzahl bringt mit sich, dass negativen Einflüsse wie etwa Schmutzeintrag oder erhöhte Luftfeuchtigkeit reduziert werden. Gezielte bauphysikalische Maßnahmen, wie z.B. eine kontrolliert gesteuerte Fensterlüftung, führen dazu, dass zukünftig Klimaspitzen abgeflacht werden.

Bauphysikalisches Konzept:
Die Auswertung der Klimamessungen zeigten problematische Klimaspitzen auf welche Schäden an der mittelalterlichen Holzausstattung zurückzuführen sind. Die klimatische Gesamtperformance wird durch gezielte Interventionen geregelt und verbessert. Durch die Dämmung der obersten Geschossdecke wird die Trägheit des Gesamtsystems des Hohen Stockes optimiert. Mit einer Teppichheizung im Besuchersteg und einer Bauteiltemperierung in der verputzten Wand im Goldenen Saal sollte es nunmehr möglich sein, Temperaturspitzen zu puffern und damit klimabedingte Schäden an der Ausstattung zu minimieren. Um eine kontrollierte Lüftung über die Fenster zu ermöglichen, werden diese mit Stellmotoren aufgerüstet, welche, abgestimmt auf  Außen- und Innenklima, gesteuert werden.

Brandschutztechnisches Konezpt:
Da es aus denkmalpflegerischen Gründen nicht möglich ist, hier die normativen Bestimmungen an den Neubau zu 100% zu erfüllen, passte man sich mit vielen einzelnen Interventionen an die gegenwärtigen Regelwerke an. Einen der größten Eingriffe stellte in diesem Zusammenhang sicherlich der Tausch der veralteten Elektroinstallationen und der Brandmeldeanlage dar. Die Decke unter den Fürstenzimmern wurde unter gänzlicher Erhaltung der historischen Oberflächen und der historischen Konstruktionen brandschutztechnisch ertüchtigt. Die historischen Türen wurden mittels minimaler Interventionen rauchdicht hergestellt.

Bauablauf:

Die erste Etappe der Sanierung und Restaurierung des Hohen Stockes wird im Jänner 2016 abgeschlossen. Bis dahin werden sämtliche bauphysikalischen, brandschutztechnischen und elektrotechnischen Maßnahmen sowie die neue Präsentation der Fürstenzimmer hergestellt. Die eigentliche Restaurierung der gefassten Holzausstattung beginnt im Jahr 2016.

Projektübersicht

Beitragsbild: Goldene Stube nach Fertigstellung der neuen musealen Präsentation, Foto: Sören Pagels
Baustellenimpressionen: Ale Carta

Baustellenimpressionen

Die Arbeiten im Hohen Stock der Festung Hohensalzburg gehen ins Finale. Die Raumschale und Elektroinstallation im Bereich des Rainer Regimentsmuseums wurde bereits im September fertiggestellt. Der neue Fußboden sowie die gesamte Elektroinstallation und Brandmeldetechnik in den Fürstenzimmern wird kommende Woche fertiggestellt. Der neue Besuchersteg, die museale Präsentation sowie Beleuchtung folgen bis Weihnachten.

 

Zur Restaurier-und Veränderungsgeschichte der Fürstenzimmer auf der Festung Hohensalzburg

04.11.2015, 17:00h

Ahnensaal des Bundesdenkmalamts, 1010 Wien, Hofburg, Säulenstiege, 2. Stock (Eingang im Schweizerhof)

Vortrag:
Zur Restaurier-und Veränderungsgeschichte der Fürstenzimmer auf der Festung Hohensalzburg

Mag. Ingrid Rathner

Ingrid Rathner ist Geschäftsführerin des Unternehmens BAUKUNST consult GmbH und seit vielen Jahren im Bereich der Denkmalpflege tätig. Im Rahmen eines Auftrages der Salzburger Burgen und Schlösser Betriebsführung arbeitete sie zur Restaurier-und Veränderungsgeschichte der Fürstenzimmer auf der Festung Hohensalzburg. Die um 1500 unter Fürsterzbischof Leonhard von Keutschach entstandenen Repräsentationsräume bestehen aus einem großen Festsaal, einer Stube, einer kleiner Bibliothek und einer Schlafkammer. Das fürstliche Prunkappartement wurde aufwendig und kostbar ausgestattet und vereint den Anspruch Leonhard von Keutschachs als Reichsfürst und geistlicher Würdenträger. Zwei wesentliche Restaurierungsphasen prägen das heutige Erscheinungsbild der Ausstattung. Die erste Restaurierung fand 1850/51 unter der Leitung von Georg Pezolt statt. Darauf folgte, nach dem kriegsbedingten Abbau der beweglichen Teile und der Bibliotheksvertäfelung 1942, die zweite Phase. Der Wiedereinbau ab 1946 ging mit der Restaurierung der Räume durch Jakob Adlhart und Josef Watzinger einher. Ziel der Maßnahmen war es, die Spuren der Überarbeitungen aus dem 19. Jahrhundert weitgehend zu beseitigen und das Objekt möglichst in den ursprünglichen, mittelalterlichen Zustand rückzuführen.

http://www.iic-austria.org/termine/?lang=de

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23. Wiener Sanierungstage

Sanierung der Bausubstanz für die Stadt der ZukunftDonnerstag, 23. April 2015 von 9:00 bis 17:00 Uhr und
Freitag, 24. April 2015 von 9:00 bis 15:15 Uhr
Ort: Landesinnung Bau Wien, Wolfengasse 4, 1010 Wien

Die Weiterbildungsseminare des OFI sollen einen Beitrag zur Vermeidung und Reduktion von Bauschäden und Baumängel leisten. Dadurch werden mittelfristig auch die enorm hohen Kosten für die Beseitigung von Bauschäden und Baumängeln in Österreich von derzeit ca. 140 Millionen € pro Jahr alleine im Bauhauptgewerbe am Hochbausektor gesenkt.

Basierend auf den Erfahrungen aus der Vergangenheit, der praxisorientierten Forschung und Entwicklung sowie den Erkenntnissen hinsichtlich des Qualitätsmanagements und der Qualitätskontrolle sollen zukünftig Schäden vermieden werden.

Ziel der Veranstaltung ist es, vom Bauherrn über den Planer bis hin zum ausführenden Fachbetrieb, ein neues Bewusstsein zu etablieren und somit die Ausführung und Überwachung zu optimieren.

Programm